Herzöglicher Nachmittag Gut Schuss!

Di, 14. Mär. 2017

Ob Baustellenbesichtigung, Museumsrundgang oder Besuch des Freilichttheaters «Les Misérables» auf dem Berner Münsterplatz: Für den sogenannten Herzöglichen Nachmittag lassen sich Walter, Thomas und Lucie Haas, die Inhaber der HERZOG Bau und Holzbau AG, immer wieder etwas Neues einfallen. Letzte Woche luden sie ihre Kunden in die Turnhalle der Kaserne Bern ein, wo die nationalen Wettkämpfe 10 Meter im olympischen Sportschiessen stattfinden. Im Schiesssport braucht es Disziplin, Konzentration, Präzision und mentale Stärke – alles Attribute, welche auch die HERZOG Bau AG täglich lebt. Nach einem Rundgang durch verschiedene Stände, wo etwa die blinde Spitzenschützin Claudia Kunz für Staunen sorgte (siehe Interview), konnten die Besucher selber ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen. Als guter Schütze entpuppte sich zum Beispiel Uwe Jocham, der zwölf Jahre Direktionspräsident des australischen Biotherapiekonzerns CSL Behring in Bern war und nun als oberster Chef in die neue CSLBehring-Fabrik, die in Lengnau gebaut wird, wechselt. «Das würde mir noch Spass machen», sagte er, nachdem er mehrmals voll ins Schwarze getroffen hatte. Unterstützt wurde die HERZOG Bau AG am Kundenanlass durch die Stadtschützen Bern, welche die nationalen Wettkämpfe bereits zum dritten Mal organisierten und die Infrastruktur zur Verfügung stellten.

TEXT BERNERBÄR FOTOS ALEXANDRA SCHÜRCH

Interview mit Thomas Haas, Mitinhaber der HERZOG Bau und Holzbau AG

Bernerbär: Herr Haas, Sie haben Ihre Kunden zu einem Schiesssportanlass eingeladen. Was hat es damit auf sich? Thomas Haas: Seit 22 Jahren gibt es den «Herzöglichen Nachmittag», an den wir unsere Kunden einladen. Wir waren schon bei Baustellenbesichtigungen, im Museum oder an anderen kulturellen Anlässen. In diesem Jahr konnten unsere Kunden, anwesend waren rund 300, anlässlich der nationalen Wettkämpfe 10 Meter im olympischen Sportschiessen ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen.

Sie unterstützen schon lange das olympische Sportschiessen sowie den Behindertensport. Wie kam es zu diesem Engagement? Als Stadtberner Unternehmen haben wir auch mit den Stadtschützen und der Reismusketen-Schützengesellschaft der Stadt Bern zu tun. So entstand das Engagament im Schiesssport. Die Stadtschützen haben uns bei der Organisation dieses Kundenanlasses sehr unterstützt.

Was ist die Faszination am Schiesssport, erst recht beim Blinden-Schiesssport? Wenn man als Sehender selber schiesst, weiss man, wie schwierig das ist. Es ist umso bemerkenswerter, wenn jemand wie Claudia Kunz blind ist und dermassen erfolgreich im Schiesssport unterwegs ist.

Ihr Unternehmen ist fest in Bern verankert. Welches sind die grössten Herausforderungen? Mit unseren 100 Mitarbeitern bewältigen wir momentan sehr viele Umbauten und Sanierungen mit Baumeistern und Schreinern in den Bereichen Baumeister-, Zimmer- und Schreinerarbeiten. Vor allem Parkettrenovationen sind derzeit sehr gefragt. Die grösste Herausforderung ist die Kurzfristigkeit, mit welcher die Arbeiten erledigt werden sollen. Ich spreche dabei jeweils mit einem Augenzwinkern von der «Zalando-Mentalität»: Um 9 Uhr bestellen, um 16 Uhr schon nach Hause geliefert. So einfach funktioniert das im Bauwesen aber nicht. Dies muss man den Kunden immer wieder klarmachen.

Interview mit Claudia Kunz (53), international erfolgreiche Sportschützin

Bernerbär: Am Kundenanlass der HERZOG Bau und Holzbau AG beweisen Sie Ihr Können als blinde Schützin. Sie waren nicht von Geburt an blind. Claudia Kunz: Ich leide an der Erbkrankheit Makuladegeneration. Die Krankheit beginnt mit vereinzelten Flecken im Gesichtsfeld. Je nach Verlauf können sich diese weiter ausbreiten bis zur vollständigen Blindheit. Mittlerweile kann ich Objekte in meiner unmittelbaren Nähe noch als Schatten wahrnehmen.

Die Erblindung war bestimmt ein Schock? Schon meine Mutter litt an dieser Krankheit. Ich liess mich im Alter von 20 Jahren testen. Damals meinte man, dass mich die Krankheit nicht betrifft. Einen ersten Schub hatte ich dann aber mit 33 Jahren. Das war ein grosser Schock. Bis ich 40 Jahre alt war, konnte ich aber noch Auto fahren.

Wie kamen Sie zum Schiesssport?
Per Zufall, als ich meine Stelle als Serviceangestellte aufgeben musste und nicht mehr Fussballtrainerin sein konnte. Ich ging ins Probetraining und war fasziniert. Nun bin ich seit 4 Jahren und 4 Monaten Sportschützin.

Was fasziniert Sie am Schiesssport? Wie funktioniert das überhaupt, wenn man wie Sie blind ist?
Einerseits gefällt mir, dass man mentale Stärke aufbringen muss. Anderseits ist es schön, dass man diesen Sport auch in meinem Alter noch ausüben kann. Ein Sensor, welcher am Gewehrlauf montiert wird, registriert, auf welche Stelle der Zielscheibe ich ziele. Diese Informationen werden in ein akustisches Signal umgewandelt. Je besser ich ziele, desto höher wird der Pfeifton in meinem Kopfhörer.

Was waren die bisherigen Höhepunkte in Ihrer Karriere?
Im letzten Jahr holte ich an den Weltmeisterschaften in der Kategorie «Stehend» und in der Kategorie «3 Stellungen» mit Stehend, Kniend und Liegend die Bronzemedaille.

Welche Ziele haben Sie noch?
An der WM im nächsten Jahr möchte ich wieder eine Medaille holen. Und ein Traum ist es, an den Paralympics 2020 in Tokio dabei zu sein. Ob wir antreten dürfen in unserer Disziplin, entscheidet sich in diesem Herbst.
 

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