Grand Casino Bern Backstage-Rundgang

Di, 21. Feb. 2017

Hier kommt sonst niemand rein: Hans Perren, Sicherheitschef des Grand Casino Bern, erzählt aus dem Nähkästchen und führt den Bernerbär in den Tresor, den Cool-Room und durch die heiligen Hallen des Glücksspiels.

TEXT MARKUS EHINGER FOTOS ALEXANDRA SCHÜRCH

Es ist kurz vor Mittag, als Hans Perren, Leiter Sicherheit und Überwachung, den Bernerbär letzten Donnerstag am Eingang zum Grand Casino Bern empfängt. Das Casino ist für die Öffentlichkeit um diese Zeit noch geschlossen, der Bernerbär darf aber zusammen mit dem 54-jährigen Perren einen Rundgang durch den Glücksspieltempel machen und bekommt einen exklusiven Blick hinter die Kulissen. Wie jeder Besucher müssen aber auch der Journalist und die Fotografin am Eingang die ID vorweisen. «Alle Besucher werden registriert. Wer im Casino gesperrt ist, darf nicht rein», sagt Perren. Es gebe aber immer wieder Gesperrte, die sich, zum Beispiel mit einem fremden Ausweis, reinschmuggeln wollen. Wir sind nicht gesperrt, und somit tauchen wir ab in die Glitzerwelt und bleiben fasziniert vor einem grossen Spielautomaten stehen. Der VIP-Sitz ist äusserst bequem, man fühlt sich wie ein Pilot. Nächste Station: eines der fünf Fumoirs, in denen man aber nicht nur rauchen, sondern gleichzeitig auch spielen kann. Hier stehen «Super Cherry»-Automaten – ein Schweizer Produkt und seit über 20 Jahren äusserst beliebt. Insgesamt warten im Grand Casino Bern 350 verschiedene SlotMachines auf die Geldfütterung.
12 Swiss-Jackpot-Automaten stehen im legendären Kuppelsaal des Kursaals, unserer nächsten Etappe auf dem Rundgang. Wo früher Boules gespielt wurde, wartet heute der Swiss Jackpot darauf, geknackt zu werden. «Neben dem Grand Casino Bern sind sechs weitere Casinos am Swiss Jackpot angeschlossen. Er beträgt immer mindestens 1 Million Franken», sagt Patrick Cupelin, Marketing Manager der Grand Casino Kursaal Bern AG. Letztmals geknackt wurde der Jackpot Anfang Februar, als ein 27-jähriger Mann während seiner Mittagspause im Casino Baden sein Glück versuchte und an einer Slot-Machine über 3 Millionen Franken abräumte.

Überwachung mit 250 Videokameras
Nicht ohne Stolz erklärt Hans Perren, der bereits seit 20 Jahren im Casino tätig ist, dass der Kuppelsaal mit seinem glitzernden Himmel noch genauso ausschaut wie 1993. Gebaut hat die Kuppel der amerikanische Architekt Paul Steelman, der auch am Bau des legendären Caesars Palace in Las Vegas beteiligt war.
Im Kuppelsaal fallen nicht nur die Slot-Machines, sondern auch die zahlreichen Videokameras auf. «Insgesamt können wir mit rund 250 Kameras jede Ecke des rund 1500 Quadratmeter grossen Casinos überwachen», sagt Hans Perren. Diese Kameras würden auch registrieren, wenn der Mystery Jackpot geknackt würde. Nach dem Zufallsprinzip, egal, wie lange man was spielt, gewinnt regelmässig ein Besucher zwischen 20 000 und 30 000 Franken. Dem Bernerbär wird exklusiv Zugang zum Überwachungsraum gewährt. Hier können Sicherheitsmitarbeiter auf ihren Monitoren jeden Winkel beobachten – mit Ausnahme der Mitarbeiter- und Gästetoiletten. «In den Überwachungsraum kommt man nur mit einem Zutrittsbadge rein», sagt Hans Perren. Bemerkenswert: Nicht einmal der Direktor hat einen solchen Badge.

Zum Gespräch in den Cool-Room
Die nächste Etappe auf dem Rundgang führt uns in den Leuchtersaal, das frühere Kursaal-Theater. Im Herzstück des Casinos wird an 14 Tischen Blackjack, American Roulette oder Poker gespielt. Spielleiter sind die sogenannten Croupiers. Was viele nicht wissen: Die Taschen der Croupier-Kleidung sind aus Sicherheitsgründen zugenäht, damit die Mitarbeiter kein Geld und keine Jetons einstecken können. Nächste Station auf der Backstage-Führung: der sogenannte Cool-Room, den wir nicht fotografieren dürfen. In diesen Raum werden Leute (freiwillig) begleitet, die Probleme mit dem Spielen haben. «In einem Gespräch analysieren wir die Probleme», erklärt Perren. Polizeibefugnisse haben die Sicherheitsleute des Casinos keine, «die Zusammenarbeit mit der Polizei funktioniert aber sehr gut».
Mehrere Kameras überwachen den Tresorraum, den Ort, der den Besuchern verborgen bleibt. Geld und Jetons liegen auf dem Glastisch. «Er ist aus Glas, damit man nicht unauffällig Jetons oder Geld auf den Boden fallen lassen kann», erklärt Bernhard Pauscha, Leiter der Spieladministration im Grand Casino Bern. Beim Tresor handelt es sich um einen Hochsicherheitsbereich. Die Mitarbeiter verlassen den Raum erst zum Feierabend, ansonsten verbringen sie den ganzen Tag damit, Geld und Jetons zu zählen und für den Abtransport bereitzustellen. Das Geld wird im Übrigen dreifach gezählt, damit Fehler vermieden werden. Als grösste Herausforderungen bezeichnet Pauscha das ausgeklügelte Sicherheitskonzept, die technischen Zählgeräte, den Geldtransport – und neue Banknoten, an welche die Geräte angepasst werden müssen.

«Pausenknopf im Leben drücken»
Mittlerweile ist es 12 Uhr, das Casino öffnet seine Türen für die Öffentlichkeit. Gegen Abend füllt sich das Spielerparadies nach und nach. Warum er spielt, möchte der Bernerbär von einem Mann wissen, der eine Slot-Machine mit Geld füttert. Seine Antwort: «Ins Casino komme ich, wenn ich mal den Pausenknopf in meinem Leben drücken will.» Hier könne er für einmal dem Alltag entfliehen und abtauchen. Abtauchen ist kein so falsches Bild: Im ganzen Casino gibt es nämlich keine Fenster und keine Uhren, und so vergisst man rasch Zeit und Raum.

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